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Leben nach dem Evangelium

Mein Leben nach Matthäus Kapitel 6 (25-34)

 

Ich habe es ja in diesem Blog nicht so oft erwähnt, aber im Grunde habe ich all die Jahre nach ein paar Worten im Matthäusevangelium gelebt. Für diejenigen, die die Worte Jesus nicht kennen:

25 „Darum sage ich euch: sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr anziehen sollt! Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung? 26 Seht die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht und ernten nicht, sie sammeln auch nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. 28 und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen! Sie mühen sich nicht und spinnen nicht; 29 ich sage euch aber, dass auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. 30 Wenn nun Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wird er das nicht viel mehr euch tun, ihr Kleingläubigen? 31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: was werden wir essen? Oder: Was werden wir trinken? Oder: Womit werden wir uns kleiden? Denn nach all diesen Dingen trachten die Heiden, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt. 33 Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden! 34 Darum sollt ihr euch nicht sorgen um den anderen Morgen; denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Jedem Tag genügt seine eigene Plage“.

Das hat er zu seinen Jüngern gesagt. Ich erzählte letzthin ein paar gläubigen Christen in einer Gemeinde relativ beiläufig davon, dass ich so gelebt habe nach diesen Zeilen – viele Jahre lang. Ich habe einfach für mich und mein Verständnis danach gelebt. Natürlich habe ich teilweise dafür gesorgt, dass Essen kostenlos zu mir kam. Entweder es kam vom Markt, aus dem Supermarktcontainer oder auch von irgendwelchen karitativen Stellen, wo man entweder selber etwas essen kann oder aber was mitnehmen. Aber es ist anders, als wenn ich mir überlege, was ich essen will und dann gezielt aufschreibe, was ich dazu einkaufen möchte und das dann koche, was man oder frau normalerweise so macht.  Bei mir war es dann so, dass ich geschaut habe, was zuerst gegessen werden muss bevor es schlecht wird und ich es wegwerfen müsste. Ich schaute einfach, was zu kochen anstand und kombinierte dann in der Regel drei Gemüsesorten, die zusammen passten miteinander, um sie anzudünsten. Dazu gab es meist Brot, das ich in der Regel ebenfalls kostenlos irgendwo bekommen hatte. Ich rede zwar von der Vergangenheitsform, aber im Grunde ist das heute noch so, denn auf irgendwelche Art und Weise kommt Essen zu einem gewissen Teil immer noch zu mir ohne dass ich es kaufe, obwohl ich nur noch äußerst selten mal containere.

Um Kleidung habe ich mir auch kein Sorgen gemacht. Ich fand meist Unmengen an Klamotten. Überall. Die lagen einfach irgendwo rum, meist neben einem Altkleidercontainer. Und ein Teil davon passte und schon war ich angezogen. Hier in Deutschland gibt es dann ja noch die Umsonstläden, -ecken und –regale, wo man sich bestücken kann, Kleidertauschmärkte und so weiter. Es kam zwar immer wieder vor, wenn ich von einem Ort zum anderen unterwegs war, dass ich nur mit meinem Rucksack reiste, aber binnen kürzester Zeit hatte ich meist eine ganze Ladung an weiteren Klamotten angesammelt. Ich habe sie dann ja eine ganze Zeitlang auf Flohmärkten gratis angeboten und die Leute gaben mir oft einen Euro für ein Kleidungsstück freiwillig und von Herzen. Sie mochten das auch, geben zu können, was sie wollten. Es gab dann natürlich auch die Neider. Diejenigen, die früh aufgestanden waren und schon stundenlang dastanden und ihre Mühe hatten, erst einmal die Standgebühr reinzukriegen. Und dann kam ich viel später, ausgeschlafen und stellte mich hin ohne etwas zu bezahlen. Die schwärzten mich dann zum Teil an, so dass ich Ärger mit dem Flohmarktbetreiber bekam und den Platz räumen durfte. Nachdem mir das einige Male passiert war, hörte ich dann irgendwann auf. Aber es war eine nette Sache, da ich dadurch auch Menschen aus der Stadt, in der ich gerade war kennenlernte. Ich wollte dadurch ein Stück Gratiskultur verbreiten.

Ums Schlafen kümmerte ich mich immer ganz am Ende des Tages. So gegen zehn Uhr fing ich an, mich damit zu beschäftigen und mir etwas zu suchen. Wenn ich bei Leuten war, wartete ich einfach ab. Manchmal war es schon halb zwei Uhr nachts, nach einem ausgiebigen Gespräch, dass mich meine Gastgeber oder meine Gastgeberein fragten, wo ich denn übernachte. Dann sagte ich: „Weiss ich nicht“. „Ja, antworteten sie, du kannst hier übernachten.“

Dann half ich ihnen noch am selben Abend und am nächsten Morgen sagten sie: „Du kannst noch länger bleiben.“ Und ich half ihnen weiter und sie boten mir oft an, zu bleiben solange ich will. Oder sie setzten ein Limit. Aber so lebte ich viele Jahre. Viele glückliche Jahre. Das muss ich wirklich sagen. Und meinen Vagabundenblog, den hatte ich, um Zeugnis zu geben dafür, dass unser himmlischer Vater sich immer um uns kümmert. So wie es geschrieben steht. Um zu beschreiben, welch ein wunderbares Leben man/frau auf diese Weise führen kann. Und das noch dazu mit ganz wenig Geld. Wie gesagt bis auf das eine Jahr ohne Geld im Jahre 2009 lebte ich viele Jahre im Durchschnitt von 150 Euro im Monat. Und alles war ok. Da lebte ich für meine Begriffe schon fast im Luxus. Jedenfalls echt ok. Ich gab den Leuten, die mich zu sich eingeladen hatten meist einen Unkostenbeitrag von 50 Euro im Monat für Strom, Wasser und Gas. Die Heizung benutzte ich ganz selten. Ich war lieber unterwegs irgendwo im Warmen wie zum Beispiel einer Bibliothek, bewegte mich allerdings auch sehr viel. Bewegung ist ein ideales Mittel, um warm zu bleiben im Winter. Vor allen Dingen den Berg hoch. Den einen Winter, den ich im Wagen lebte verbrauchte ich gerade einmal 20 Liter Petroleum für meinen Ofen. Ich ging abends erst spät in den Wagen rein und wartete in voller Montur bis es weniger wie acht Grad war. Bis acht Grad war es auszuhalten, darunter war es definitiv zu kalt. So machte ich den Ofen an und heizte bis es richtig heiß war. Das  ging mit dem Petroleumofen sehr schnell. Dann machte ich ihn aus und zog mich langsam wieder nach und nach an wenn es kälter wurde. Man braucht eigentlich gar nicht sehr viel Heizung. Es braucht auch nicht überall in einem Haus warm zu sein. Wir sind viel zu verwöhnt, was Wärme anbetrifft. Wir leben in Deutschland in dieser Hinsicht weit über unsere Verhältnisse. Jeden Raum zu beheizen ist überhaupt nicht nachhaltig, sondern reinste Verschwendung von Ressourcen. Es ist auch überhaupt nicht notwendig. Früher war das auch nicht so.

So war also mein Leben. Es war ein ganz phantastisches, äußerst wertvolles und reichhaltiges Leben. So phantastisch, dass ich es auch gar nicht aufgeben wollte, wenn nicht viele nette und wohlmeinende Menschen immer wieder auf mich eingeredet hätten, ich soll mir doch eine Wohnung nehmen. Wozu brauche ich eine Wohnung? Ich bin doch immer eingeladen. So dachte ich. Und es war ja auch so.  Und jedes Mal, wenn ich mir eine Wohnung nehmen wollte, sagte jemand: hier bei mir kannst du wohnen. Da nahm ich doch lieber das kostenlose Angebot, als mich auf eine viel teurere Wohnung festzulegen. Jetzt habe ich es auch nur deshalb gemacht, weil ich selbst merkte, dass ich älter werde. Ich hätte theoretisch noch gut zwanzig Jahre so leben können. Aber in der Praxis wollte ich mal eine grundsätzliche Veränderung. Und einen Platz, an dem ich meine Sachen unterstellen kann und ein paar Monate später sind sie immer noch da. Das war mir vorher nicht vergönnt auf die Art und Weise, in der ich gelebt habe. Und es begann mir auch zu fehlen. Einen Raum, den ich ausfüllen kann. Ich war ja fast nur in Räumen, die von Dingen anderer Menschen ausgefüllt waren. Und irgendwann begann mich dies plötzlich zu belasten. Ich brauchte einfach regelrecht einen eigenen Raum, den ich ausfüllen konnte. Aber sonst wäre das alte Leben auch weitergegangen. Schier endlos. Ich war selbst in Deutschland immer bei Leuten eingeladen. Diese Art zu leben funktioniert also auch hierzulande. Und ich kenne jetzt auch jemanden, bei dem ich früher öfters übernachtet habe, der jetzt in der gleichen Situation ist und ebenfalls etwas gefunden hat, wo er bleiben kann, in seinem Fall zahlt er eine kleine Miete.

Das also zu meinem Leben, das ich absolut geliebt habe. Das möchte ich an dieser Stelle noch einmal deutlich sagen. So sehr geliebt, dass ich es aus freien Stücken nicht ändern wollte. Aber ich stellte mir  selbst die Frage, ob ich auf die Welt gekommen bin, um so zu leben oder ob nicht noch eine andere Aufgabe auf mich wartet. Und deshalb habe ich mich dann doch dazu entschlossen, meine gesamte Lebenssituation zu ändern. Wobei das für mich äußerst schwierig ist, das möchte ich nicht verschweigen. Von der Nichtsesshaftigkeit in die Sesshaftigkeit zu wechseln ist unglaublich schwer. Einfach, weil man mit so vielen Sesshaftenproblemen so lange nicht betraut war. Was da alles zu regeln ist, um in diesen Luxus zu gelangen… Aber diese Art von Leben kennt Ihr ja, davon brauche ich hier nicht zu berichten.

Meine Aufgabe sehe ich darin zu sagen: man kann ohne Geld und man kann mit sehr wenig Geld sehr glücklich leben. Den gesamten Luxus, den wir meinen haben zu müssen brauchen wir gar nicht. Geld macht nicht glücklich. Konsum noch weniger. Er macht fast schon unglücklich, denn nur scheinbar glücklich. Dass wir durch konsumieren glücklich werden würden ist eine Lüge. Eine große Lüge. Wir sind umso glücklicher, das sage ich aus eigener Erfahrung, je weniger wir konsumieren und je mehr wir umsonst bekommen. Ohne Geld. Am allerglücklichsten sind wir ohne Geld. Das kann ich bestätigen, das ist meine Erfahrung! Aber wohl nur dann, wenn wir uns freiwillig dazu entschieden haben.

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Einladung zum Stöbern auf anotherworld.site

Liebe Freundinnen und Freunde des Vagabundenblogs,
auf meiner neuen Website anotherworld.site geht es munter weiter. Die letzte Zeit sind einige Artikel hinzugekommen, zu denen ich Euch gerne einladen möchte, sie zu lesen. In dem Artikel „Für ein bedingtes Grundeinkommen“ geht es darum wie ein Grundeinkommen meiner Vorstellung nach funktionieren könnte, nämlich indem jede(r) sich mit etwa acht bis zehn Stunden pro Woche einbringt und etwas für seine Umgebung oder für die Weltengemeinschaft tut, das einfach getan werden will. Das um die Argumentation, dann würde sich jede(r) nur noch auf die faule Haut legen, etwas entgegenzusetzen.
Der neueste Artikel geht darum, dass ich glaube, dass wir, um irgendwo anzufangen etwas zu ändern, damit anfangen, uns wieder mit der Natur zu verbinden. Dann verändert sich ganz viel in unserem Verhältnis zu allem, was um uns ist von selbst. Dann würden Menschen auch nicht mehr relativ sinnlos irgendwelche Bäume abholzen, weil sie sie als Objekte und gar nicht als Lebewesen wahrnehmen.
Ich wünsche Euch Spaß beim Lesen und freue mich wie immer über Kommentare und Feedback. Und gerade in der Anfangsphase dieser neuen Seite kann ich Anregungen zur Vernetzung oder auch sonst, was Euch alles auf- und einfällt gebrauchen. Bitte scheut Euch nicht, dies mir weiterzugeben. Und natürlich freue ich mich auch über neue LeserInnen. Ihr dürft also gerne davon weitererzählen.
Es grüßt Euch
Eure
Michelle
Subject: [Geteilter Beitrag] Wir brauchen eine spirituelle Revolution

Zwei Konferenzen und ein neues Baby

Freitag, den 21. September 2018

Ihr Lieben,

ich will die Briefform fortsetzen, da sie für mich etwas persönliches hat, das ich sonst nicht so leicht herstellen lässt. Und in dieser persönlichen Form lässt sich einfacher berichten, was geschehen ist.

Letzten Monat verbrachte ich auf zwei in die Zukunft gerichtete Konferenzen: Das Wochenende vom 18. und 19. August 2018 hieß die Konferenz „Für eine bessere Welt“. Sie fand in Hamburg auf dem Gut Karlshöhe statt.

Bei blablacar hatte ich eine Mitfahrgelegenheit mit einem Kolumbianer gefunden, der schon seit 1972 in Deutschland lebt. Wir unterhielten uns sehr angeregt über mein früheres Leben. Er war sehr interessiert, davon zu hören. Nachdem wir ankamen, holte ich mir einen Stadtplan vom Tourist office und zog los in Richtung Stephanies Wohnung.

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Hamburg

Stephanie war gerade bei einer Freundin in meiner Stadt zu Besuch und hatte mir angeboten, bei ihr zu bleiben. Was für ein Glücksfall! Es ging an der wunderschönen Binnenalster entlang und dann an einem Kanal, aber es zog sich doch ziemlich hin. Ich war froh, als ich endlich am Abend gegen neun Uhr ankam. Hier funktionierte sogar das Internet (was für ein Luxus). Außerdem machte ich mir Pasta aglio olio und schaute wie ich am nächsten Tag zum Gut Karlshöhe komme. Es fuhr ein Bus nicht allzu weit von mir entfernt und mit ihm kam ich genau zu Beginn der Begrüßung zur Konferenz für eine bessere Welt an. Alles weitere findet Ihr in meinem ausführlichen Artikel, den ich auf meiner neuen Website anotherworld.site veröffentlicht habe, zu der ich Euch ganz besonders herzlich einladen möchte, denn es ist sozusagen mein neues Baby. Ja wirklich. Es erblickte am 8.8.2018 das Licht der Welt. Ich hatte im Internet nach einem Namen für eine Website recherchiert und da sie genau so war wie eine email-Adresse, die ich schon hatte, dachte ich: „Das ist es. Die melde ich an.“ Im Moment ist sie noch komplett im Aufbau, aber abonniert Euch bitte dort, wenn Ihr Euch für den Aufbau einer anderen Welt interessiert und scheut Euch nicht, mir likes oder Feedback zu geben oder Hinweise wie und wo ich sie publik machen könnte! Ich kann wirklich Unterstützung in jeglicher Hinsicht gebrauchen, sowohl was Ideen, als auch was die Umsetzung anbelangt. So fehlt noch ein Logo und ganz viel sonst. Jede Hilfe ist willkommen! Ziel ist, im ganz kleinen erstmal Utopien und Visionen zu beschreiben und dann zu sehen, was sich verwirklichen lässt.

Ganz besonders bedeutsam bei der Konferenz war mir die Begegnung mit einem Typen mit langen grauen Haaren ganz hoch aus dem Norden Deutschlands, der mit seinem Klapprad und einer Gradido-Fahne herumfuhr, denn wir gingen noch zusammen zum Abendessen und ich hatte wirklich mit ihm als einzigen einen intensiven und regen Austausch. Insgesamt war ich eher bei Workshops, die mich interessierten, um mir mal eine andere Sichtweise auf die Welt zu eröffnen und weniger das, was ich schon kannte wie Minimalisten, Kräuterwanderungen oder Achtsamkeitsübungen. Aber ich genoss auch die Spaziergänge in der Natur des Gutshofes mit seinen Naturlehrpfaden, wenn ich mir einmal Zeit dafür nahm.

 

 

Nach der Konferenz wachte ich früh um halb acht Uhr auf. Mir tat der Magen weh ganz wie zu Zeiten, als ich gearbeitet hatte. Mir hatten ein paar Leute erzählt, ich könne für unter neun Euro von Hamburg nach Lüneburg fahren und so holte ich mir so eine Karte fürs Gesamtnetz.

„Stell dir vor, du dürftest nur noch hundert Worte an einem Tag sprechen. Dann verlierst Du Deine Stimme,“ stand irgendwo sowie „Letzte Chance!“, „Der Spaß geht weiter“ und „gemeinsam geht mehr“. Da ich fünfzig Minuten auf den Regionalzug hätte warten müssen, nahm ich den ICE. Von einem Freund erhielt ich per WhatsUp komische Kommentare, die mich total nervten und mit denen ich absolut nicht wusste, wo ich sie hinstecken sollte. Ein Mann kam mir mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Heimat – woanders ist es auch nicht besser“ entgegen. In dem ziemlich vollen ICE, der weiter nach München fuhr, wurde ich zum Glück nicht kontrolliert, sonst hätte ich sicher nachzahlen müssen. Ich fand dann auch gleich nach einigem Herumfragen den richtigen Bus zur Uni. „Sie sind das Kostbarste, was wir haben“ stand auf einem Plakat mit Kindern drauf.

Bei der Konferenz erfuhr ich, dass es keinen Platz mehr in dem Schlafsaal gab, wo ich meinen Rucksack erstein mal abgestellt hatte. Es waren alle Schlafplätze ausgebucht und man hätte sich da explizit dafür anmelden müssen, was ich nicht getan hatte. Ich erfuhr, dass es eine Jugendherberge in unmittelbarer Nähe gab und auf dem Weg dorthin entdeckte ich ein Tipi im Wald, das zu einem Waldkindergarten mit einem Bauwagen gehörte, der jedoch abgeschlossen war. „Wunderbar“, dachte ich. Etwas Besseres hätte ich mir ganz nicht vorstellen können, denn mein Sinn stand mir auch gerade nach mehr Verbindung mit der Natur. Als mir dann noch ein Mann mit einer Tasche mit der Aufschrift „Der nächste größte Schritt: Back to the nature“ über den Weg lief war mir klar, dass dies für die nächste Nacht das Richtige war. Ich schlief dann auch dort sogar so lange, dass ich die Kindergärtnerinnen mitbekam, die um acht Uhr morgens ankamen. Sie waren aber sehr nett und luden mich sogar dazu ein, mitzuhelfen, da sie einen Notfall hatten. Aber die Utopiekonferenz war mir doch wichtiger. Wer genaueres über die Konferenz lesen möchte, der ist dazu eingeladen, den Artikel auf anotherworld.site zu studieren.

Ich hatte keinen wirklichen und richtigen Impuls, wo es danach weitergehen würde. Bei manchen Sachen, die ich angedacht hatte wie zum Beispiel in das Wendland oder ins Ökodorf Sieben Linden zu fahren, spürte ich, dass es wohl nicht recht so das richtige ist und ließ es dann sausen. Einige Leute fuhren dann schon direkt nach der Konferenz weg. Ich aber blieb. Es gab noch was zu Essen und ich holte mir einen Teller voll und setzte mich an einen Tisch mit zwei Frauen, von denen ich eine inzwischen kannte. Ich hatte sie bei „Mosaique“ getroffen, dem wunderbaren Haus der Kulturen in Lüneburgs Innenstadt, wo ich unverhofft bei einem Rundgang durch die Stadt hingelangt war. Das war ein ganz phantastischer Ort, an dem mich gleich mehrere Menschen ganz lieb begrüßten und  einer michherumführte und zu einem Kaffee auf Spendenbasis einlud. Hier leben und arbeiten Flüchtlinge und Deutsche zusammen in einem Haus und laden alle anderen in ihr Café ein. Eine reiche Dame hat das Haus gespendet.

 

 

Ein Urban Gardening Projekt in Lüneburgs innenstadt mt drei Hochbeeten in einem Park war mir ebenfalls positiv aufgefallen.

 

 

Die Frau, die ich im Mosaique kennen gelernt hatte sagte allerdings, sie ginge jetzt gleich weg. Ich setzte mich trotzdem. Dann saß ich da einen Moment alleine und überlegte, was tun. Schließlich holte ich noch einen weiteren Teller und setzte mich an einen Tisch zu zwei Frauen, die ich noch nicht kannte. Das heißt, eine davon hatte ich mal an einer der wenigen Steckdosen gesehen. Wir hatten uns auch Gedanken gemacht wie es sein konnte, dass es in einem Gebäude, das für Konferenzen konstruiert war, keine ausreichenden Steckdosen gab, um seine diversen Geräte aufzuladen. Eigentlich sollten überall Steckdosen sein, aber dem war nicht so. Auf jeden Fall fiel mir dann wieder ein, dass die Dame ja am Anfang mal ihre Partei ‚Demokratie in Bewegung‘ auf der Bühne vorgestellt hatte, das ich auch als recht interessant empfunden hatte. Ich erfuhr, dass sie am nächsten Morgen um halb sechs Uhr in die Pfalz fuhr und noch einen Platz frei hatte. Sie übernachtete im Schlafsaal und würde mich mitnehmen. Das war für mich ideal, denn dann konnte ich mir überlegen, ob ich nach Hause fahren oder mit ihr kommen wolle.

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Ich konnte im Schlafsaal zwar übernachten, aber nicht wirklich schlafen, da ganz viele Menschen irgendwann in der Nacht aufstanden und mit zu schweren Schritten durch den Saal liefen. Ich schlief sehr spät erst ein und wurde erst geweckt, als meine Chauffeuse losfahren wollte. Da ich den Platz auf dem Feldbett getauscht hatte, weil eine Kuhle in der Mitte mich daran hinderte einzuschlafen hatte sie gedacht, ich wäre schon draußen und erst am Ende entdeckt, dass ich ja ein Feldbett weiter lag. Es war dann ziemlich hektisch und ich, so müde wie ich war, war auch gar nicht gut drauf – bis ich an einer Tankstelle den ersten Kaffee trank. Erst dann hellte sich meine Stimmung ein wenig auf.

Es wurde eine interessante Fahrt, bei der die Landesvorsitzende der neuen Partei ihrem mitfahrenden Gast ganz viel wichtige Dinge erzählte, die mir allerdings nicht mehr in Erinnerung geblieben sind. Sie setzte mich dann in Landau am Bahnhof ab, wo ich erstmal schaute wie ich zu einer Gemeinschaft in Gründung kommen würde, lag wie ich im Internet vzu der ich schon lange einmal fahren wollte. Von meinem ruhigen Sitznachbarn, der nach Karlsruhe wollte, hatte ich mir das Handy geliehen und im Internet recherchiert, dass es nur circa 30 Kilometer entfernt war. Mein Handy war nämlich gerade nur eingeschränkt funktionsfähig. Ich musste erst einmal zu einem Laden gehen und mir erklären lassen wie ich meinen Tarif mit meinen 3 GB Internet, der Flatrate für Deutschland und den 250 internationalen Minuten für den nächsten Monat bestellen könne. Alleine klappte das nicht. Ich wollte aber erstmal die Geschichte mit dem Handy regeln bevor ich dort hinfuhr. Als ich vom Bahnhof wegging, kam mir eine Frau mit einem T-Shirt und der Aufschrift „Follow your dreams wherever they take you – good“ entgegen.

Jemand erzählte mir von einem Inder, der Telefonkarten verkaufte, aber er arbeitete nicht wirklich mit meinem Telefonanbieter. Er verkaufte nur Karten zum Aufladen. Aber er war sonst sehr hilfsbereit und suchte lange im Internet, um zu sehen, ob er mir nicht helfen könne. Erst als wirklich nichts ging gab er mir die Adresse und Telefonnummer von einem anderen Laden, der mit meiner Telefongesellschaft arbeitete. Der dortige Mitarbeiter konnte mir innerhalb von ein paar Sekunden meinen Wunschtarif einstellen. Meine persönliche kleine Welt war wieder gerettet. Nachdem ich mich nun an die Nutzung eines Smartphones nach dreizehn Jahren ohne Handy gewöhnt hatte vermisste ich es doch so weit, dass ich es gerne so schnell wie möglich wieder nutzen wollte, obwohl ich genau wusste, dass es auch ohne ging. Bei meinem Gang durch die Stadt war ich bei einem Wollladen vorbeigekommen, in dem ich von meinem Vorhaben, eine sich gründende Gemeinschaft zu besuchen berichtete. Die dortige Dame empfahl mir, in eine nicht weit entferntes Kaffee zu gehen. „Dort gibt es jemanden, der auch bei dem Projekt dabei ist.“ Als nächstes schaute ich in einen Antiquitätenladen vorbei. Auch dort schickte man mich in dasselbe Kaffee, sogar auch nur, um die dortige Toilette zu benutzen, da er selbst keine eigene Toilette hatte. Also, nix wie hin. Der Besitzer war es, der sich in dem Gemeinschaftsprojekt engagierte, das allerdings noch gar nicht existierte außer in den Köpfen der Menschen. Das war mir gar nicht klar gewesen. Sie wollten einen Gutshof mit 20 Hektar Naturwald jedenfalls für 1,5 Millionen Euro kaufen und jede(r) einzelne sollte sich dann mit 50.000 Euro beteiligen. Falls Ihr einen Geldgeber kennt, der Interesse hat, sich uneigennützig daran zu beteiligen, gebt mir bescheid.

Es war wieder viel davon die Rede gewesen, dass man die Welt nicht verändern könne, sondern nur sich selbst verändern könne. Das alte Dogma sage ich mal, das in spirituellen Kreisen sehr weit verbreitet ist. Ich kenne das schon seit Jahren und hatte es auch manchmal irgendwelchen Menschen erzählt, die meinten, sie müssten die Welt verändern. Ich saß dann so da und überlegte, was ich denn anders machen könne wie bisher. Ich mache doch schon so viel anders. Habe mein gesamtes altes Leben aufgegeben, um etwas neues zu schaffen und immer noch höre ich diesselbe Leier. Na ja, ich jedenfalls weiß nicht so recht, vielleicht habt Ihr ja eine Idee!

Es grüßt Euch ganz herzlich

Eure

Michelle

Back into the system

Meine Lieben,

heute mal in – meiner geliebten – Briefform. Finde ich persönlicher und schließlich kenne ich Euch – meine liebens-werten Leser*innen ja fast alle persönlich.

Nach mehreren Anläufen, die sich über viele Jahre hinweg erstreckten, habe ich nun schließ- und endlich mein Online-Banking eingerichtet. Denn, was meine liebens-werten Leser*innen noch nicht alle wissen: es gibt eine gute Nachricht! Ich habe vor einiger Zeit den Bescheid bekommen, wieder – wie früher auch – ein Grundeinkommen in Form einer Rente für Menschen mit einer gewissen Erwerbsminderung zu bekommen. Natürlich hätte ich viel lieber erreicht, dass alle Menschen, wenn nicht ein ganz bedinungsloses, aber dann wenigstens ein an wenige erträgliche Bedingungen geknüpftes Grundeinkommen erhalten. Das ist mir leider nicht geglückt. Traurig traurig. Aber wenigstens konnte ich dafür sorgen, dass ich die nächste Zeit wie andere Menschen auch eine Miete zahlen kann, die gesetzlich vorgeschriebene Krankenversicherung, auch wenn mir das alles nicht gefällt, weil ich die sieben Jahre wunderbar auch ohne gelebt habe und mir auch mal was Biologisches zu essen kaufen kann. Denn nach dem Bioscan-Gerät von Robert Franz ist mein Körper nach all den Jahren des Zuführens von freeganen Lebensmitteln mitlerweile leider pestizidverseucht. Wahrscheinlich ist das nicht der einzige Körper auf dieser Welt, dem es so geht, von daher lohnt es sich für eine Welt ohne Pestizide einzustehene ;).

Jetzt konnte ich nach mehr als einem halben Jahr, in dem ich jeden Monat brav drei Überweisungen tätigte: für Miete, Strom und Krankenversicherung, eine Anfang des Monats, zwei Mitte des Monats – hechel, hechel – allmonatlich zu leistenden Ausgaben – endlich einen Dauerauftrag ausstellen. Nun bin ich ein glücklicher Mensch! Nein wirklich, nachdem ich jahrelang keine einzige Rechnung zu bezahlen hatte und auch keinen Termin in meinen nicht vorhandenen Terminkalender schreiben brauchte, ist das alles für mich (zwar altbekanntes, aber dennoch) wieder Neuland. Es ist schon fast so, als ginge es darum, verlorenes Land zurückzuerobern. Das schaffen wir doch glatt! Zum Glück bin ich auch nicht mehr antrags- und papiertraumatisiert, was in meinem Leben auch schon mal vorkam. Da wollte ich von Anträgen und Papieren nichts mehr wissen. Jetzt kann ich inzwischen Anträge mit spielender Leichtigkeit wieder ausfüllen, sie an den entsprechenden Stellen abgeben, meinen Mitwirkungspflichten nachkommen und dann entsprechende Schritte unternehmen, um meine Ansprüche geltend zu machen. Oder klärende Gespräche führen, um zu erfahren, dass ich kein Anrecht auf dies oder jenes habe. Für mich ein großer, aber ent-scheidender und not-wendender Schritt. Ich sag das deshalb, weil ich vor circa einem dreiviertel Jahr mit einem Traum aufgewacht bin, bei dem ich bettelnd auf der Straße saß. Ich weiß nicht, ob Ihr wisst, was das heißt. Es gibt viele Menschen, die Angst davor haben, unter der Brücke schlafen zu müssen und zu betteln. Ich habe zwar das gelebt, wovor viele Menschen Angst haben: ohne Wohnung, ohne Arbeit und weitgehend ohne beziehungsweise mit wenig Geld. Aber: ich hatte immer unglaublich viel Fun bei meiner Art zu leben. War die letzten Jahre immer eingeladen. Es war alles eine große Freude und ein großes Glück, was ich ja auch immer in diesem blog habe weitergeben wollen. Doch als nächste Stufe unterhalb derer, auf der ich stand jetzt bettelnd auf der Straße zu sitzen, dazu hatte ich doch keinen Bock wie man auf neudeutsch so schön sagt. Da musste ich mir etwas anderes überlegen. Und das war, das Geld anzunehmen, auf das ich per Recht und Gesetz mir irgendwann einmal in meinem Leben ein Anrecht erworben hatte, weil ich früher brav zur Arbeit gegangen bin wie andere Menschen auch. Bis es mich einmal mit Burnout und anderem Pipapo gebeutelt hatte.

Es war dann natürlich so, dass ich eigentlich – wie schon so oft in meinem Leben  auch – all meine Anrechte verloren hatte, da ich ja die letzten Jahre nicht drei von fünf Jahren gearbeitet hatte. Da verliert man seine Rechte. Aber: ich habe mich nicht entmutigen lassen. Denn drei Leute wiederum erzählten mir, dass sie ihre Rente dauerhaft bis zum Eintritt der Altersrente bekommen hätten und daran hielt ich mich. Ans Positive. Früher war diese Rente bei meiner Wenigkeit nämlich immer befristet gewesen, mal für ein Jahr, mal für eineinhalb Jahre und mal für zwei Jahre. Da die Untersuchungen für mich so schrecklich waren, wollte ich alles, nur das nicht mehr erleben. Deshalb habe ich so gelebt wie ich gelebt habe. Lieber nichts haben, aber nicht zu diesen schrecklichen Untersuchungen hingehen müssen. So war mein Motto. Ich lebte frei und glücklich, aber auch, weil ich noch Geld hatte, auch wenn ich sowenig wie möglich ausgab. Doch das wurde immer weniger. Und insgesamt war mein Leben ja ein Zuschussbetrieb. Da nichts reinkam und doch was rausging, ging die Rechnung eigentlich nicht auf.

Auf jeden Fall war das alles sehr spannend, denn ich wusste bis kurz vor dem Untersuchungstermin nicht, ob ich da wirklich hingehen würde. Mir erzählte noch eine Helferin, die ich beim Sommerfest einer Hilfseinrichtung für behinderte Menschen traf, wie schlimm die Untersuchung bei demselben Träger und derselben Gutachterin für sie war und dass sie dabei innerlich total zusammengebrochen sei. Ich wusste beim besten Willen nicht, ob ich mir das antun sollte.

Die Kraft des Gebets

Vor dem Termin konnte ich nicht richtig schlafen und betete immer wieder, dass mir so etwas erspart bleiben dürfe. Und siehe da: meine Gebete wurden erhöhrt. Die Gutachterin war total nett und freundlich und in keinster Weise verletzend. Es ging ja darum nachzuweisen, dass ich all die Jahre erwerbsgemindert war. Ich hielt ihr die Aufstellungen unter die Nase, wie viel ich für was in den Monaten im Jahre 2014 und 2015 ausgegeben hatte. Im Jahre 2014 waren das im Monatsdurchschnitt 150 Euro und im Jahre 2015 75 Euro. Sie sagte sofort, ich solle  alles wieder einpacken, sie wolle gar nichts mehr sehen, ich bekäme meine Rente! Da sie nicht alleine entscheidet, wartete ich noch den tatsächlichen Bescheid ab und der war positiv! Die ganze nächste Woche war ich mit fast all meinen Freund*innen und Bekannten am Feiern. Ich fuhr in den nächsten Bioladen und machte einen Großeinkauf fürs nächste Fest. Nach neun Jahren hatte ich nun nicht nur meine Wohnungslosigkeit, sondern auch meine Einkommenslosigkeit beendet. Ich fühlte mich plötzlich auch wie ein ganz anderer Mensch. Irgendwie gesünder, kräftiger und vitaler.

Nicht zu wissen wie ich meine Miete zahlen sollte, raubte mir vorher doch ziemlich viel Kraft und fast auch den letzten Nerv. Das war nun vorbei. Was für eine Freude! Was für eine Erleichterung! So lernte ich, dass Gott nicht nur für uns sorgt, wenn wir in Not sind, sondern dass er auch innerhalb des Systems für uns wirken kann, wenn wir ihn darum bitten. Das war für mich eine neue Erfahrung.

Dass ich den Weg so zurück in das System wieder gegangen bin, hatte auch damit zu tun, dass ich gemerkt habe, dass ich mich so weit von anderen Menschen und deren Lebenswirklichkeit entfernt hatte, dass ich keinerlei Impakt mehr auf das System und die Gesellschaft hatte. Wenn man keine Wohnung hat, ist man schlichtweg nicht anerkannt. Es gab dann so ein Schlüsselerlebnis von einer Frau, die ähnlich lebte wie ich, in einem Bauwagen. Es war Winter und sie erzählte mir, wie glücklich sie sei, dass sie außerhalb des Systems lebte und sie wollte gar nicht ins System zurück. Als ich sie dann fragte, ob sie meine Telefonnummer aufschreiben wolle meinte sie, das wäre zu aufwendig an ihren Bleistift ranzukommen, der sei irgendwie weiter weg und da müsse sie aufstehen, sie sei krank und es sei kalt, sprich dazu habe sie keine Lust. Da fragte ich mich: stimmt das alles, was sie sagt und stimmt das noch für mich? Will ich wirklich weiterhin total außerhalb des Systems leben in ständiger Angst, dass sie mir an den Karren fahren, weil ich keine Krankenversicherung habe und dies nicht und das nicht? Will ich das noch? Oder sage ich mir lieber, okay, danke für die unglaublich interessante und spannende Zeit, die ich hatte, in der mich Gott und mein Glaube  weitgehend durchs Leben getragen haben, aber jetzt ist Zeit für etwas anderes. Jetzt nehme ich einfach mal das an, was mir zusteht. Dankend selbstverständlich. Das ist auch mal heilsam. Unglaublich heilsam.

Gemeinschaften-Festival

Letzte Woche realisierte sich dann auch noch so ein Traum, den ich vor unzähligen Jahren schon mal hatte: zum Gemeinschaften-Festival zu gehen. Das fand all die Jahre zweimal im Jahr statt. Schon im Dezember hatte ich geschaut, ob ich da nicht hingehen könne, aber mangels nötigem Kleingeld und noch aus anderen Gründen hatte ich mich dagegen entschieden. Diesmal fragte ich auch kurz vor dem Festival an und da es mir wieder etwas zu teuer war und sie keine Helfer*innenplätze mehr frei hatten, sagte ich ab. Doch dann kam eine Einladung, mitzuhelfen, da einige Helfer*innen abgesprungen seien und da überlegte ich nicht lange und fuhr einfach hin. Eine Mitfahrgelegenheit, die ich in der Nacht rausgesucht hatte meldete sich bis zum anberaumten Zeitpunkt zwanzig Minuten vor Abfahrt nicht, aber ich war zum genannten Treffpunkt gegangen. Ein Freund hatte mir erzählt, dass er von dort manchmal wegtrampe und nach fast einer Stunde war ich erfolgreich und eine Frau nahm mich mit. Leider setzte sie mich auf einer Schnellstraße an der Autobahnauffahrt ab, wo ich gar nicht stehen durfte. Die Autos kamen angerauscht und die Polizei kam auch gleich vorbeigefahren mit Handzeichen, dass ich hier nicht stehen dürfe. Also über die Leitplanke und die Böschung runter, die den Spuren nach auch schon jemand vor mir gegangen war. Dann den Weg zur Raststätte, die nicht allzuweit entfernt war. Von dort war ich schon öfters weg getrampt.  und auch jetzt nahm mich gleich einer mit mit holländischem Kennzeichen. Das ist äußerst ungewöhnlich. In meiner gesamten Trampzeit hat mich nur einmal ein Auto mit holländischem Kennzeichen mitgenommen. Es kam heraus, dass er gar kein Holländer bzw. Niederländer war, sondern Rumäne. Und: er fuhr relativ in die Nähe wo ich hinwollte, nur etwa 35 Kilometer entfernt. Und diese 35 Kilometer nahm mich eine Frau wiederum mit gelbem Nummernschild mit, diesmal aus Luxemburg. Ich hatte sie im Gegensatz zu den vielen anderen Leuten an der Tankstelle gar nicht gefragt. Sie fragte mich von sich aus und war bereit, die Strecke für mich zu fahren, obwohl sie da im Moment gar nicht hinwollte. „Jeden Tag eine gute Tat“, sagte sie als ich einstieg. „Ich war früher Jägerin. Aber heute gibt es gar nicht mehr viele richtige Jäger. Die schießen heute alles wahllos ab. Das ist schrecklich“, erzählte sie. Und als ich von einer Freundin Mitte Siebzig sprach, meinte sie, da wäre sie zwölf Jahre älter. „Früher bin ich Rallyes gefahren. Ich war mit einem Luxemburger verheiratet.“ Eine wirklich interessante Persönlichkeit.

Nur manchmal –  oder immer?

Ich wurde dann sehr nett auf dem Festival empfangen, das zwei Tage vorher begonnen hatte. Als ich irgendjemand von meinen Leben erzählte, sagte die Person ganz richtig: „Das kann man mal ne zeitlang machen“. Ja, das war mein Gefühl auch. Da waren auch andere digitale Nomaden und andere (Welt)Reisende. Einer davon stellte sich mir mit „Ich bin ein Wanderer zwischen den Welten“ vor. Der Begriff blieb in meinem Kopf hängen. Ja, als Wanderer zwischen den Welten  fühlte ich mich auch. Ich traf eine Frau, die mit mir in der selben Samba-Gruppe spielte, in der ich seit Kurzem mitspielte. Und eine, bei der ich vor vielen Jahren mal am Bodensee übernachtet hatte. Sie fuhr mich dann nach Hause und blieb noch zwei Nächte bei mir. Ihr Hund plantschte dabei in jedem Brunnen, als wir durch die Stadt gingen. So lebte die Gemeinschaft vom Festival her noch ein wenig fort. Es waren sehr erfüllende Tage und ich freue mich, dass ich es gemacht habe. Es war ein so lange gehegter Traum, der einfach in Erfüllung ging. Manchmal lohnt es sich, etwas Zeit und Geld zu investieren, um unsere Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Nur manchmal –  oder immer?

Der blockierte Künstler

Ich stellte auch fest, dass ich blockiert bin. Der blockierte Künstler/ die blockierte Künstlerin. Ich fragte mich, was kann ich tun, um meine Blockade aufzulösen?  Es kommt ja angeblich nur darauf an, die richtigen Fragen zu stellen. Das hier ist das Resultat.

Es grüßt Euch zu den Sternschnuppennächten

Eure Michelle

 

Heute und morgen ist Sternschnuppennacht!

Wir haben heute wieder eine Sonnenfinsternis um 11:11 Uhr überlebt und letzthin eine Mondfinsternis. Und wir leben immer noch. Noch dazu ist heute Nacht eine Sternschnuppennacht wie morgen, vom 12. auf den 13. August auch noch, in der man bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde sehen kann. Denn: die Perseiden bescheren uns wie jedes Jahr dieses Wochenende einen Meteor-Regen. Wir sind gerade wahrlich gesegnet mit astronomischen Besonderheiten. Die Sternschnuppennacht habe ich bisher immer weitgehend verpasst, aber jetzt ist wieder eine großartige Gelegenheit, Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen. Denn ich muss wirklich und ehrlich gestehen: was immer ich mir bei der Gelegenheit eine Sternschnuppe gesehen zu haben gewünscht habe, ging soweit ich mich erinnern kann fast alles in Erfüllung; vorausgesetzt, dass ich zwischen Sehen der Sternschnuppe und dem Wunsch nichts gesprochen habe. Das ist so eine Erfahrung. Ich bin sonst nicht so fürs Wünschen, vor allem nicht à la Bärbel Mohrs „Bestellungen beim Universum“. Ich bin eher den Weg der Wunschlosigkeit gegangen und war auch ganz glücklich damit. Aber: man/frau/mensch darf sich ja auch mal was wünschen – am Besten von Herzen – vor allem in einer Sternschnuppennacht. Wir dürfen uns was für uns wünschen oder ganz uneigennützig etwas für die ganze Welt. Ich glaube nicht, dass das verboten ist.

Also: Sternschnuppe sehen, Augen schließen, sich in Ruhe etwas wünschen und erst nach dem Wunsch mit den Nächsten reden, die mit uns und bei uns sind. Dann habe ich gute Chancen auf eine Wunscherfüllung. Das ist eigentlich ein Geheimnis ;), aber ich gebe es hiermit mal auf diesem Wege an meine Liebsten weiter, an diejenigen, die diesen blog aus irgendwelchen Gründen lesen… Ihr habt es Euch verdient.

Wasser für Kleintiere

Von verschiedenen Seiten wie vom Bund für Naturschutz und auch von Privatleuten wird gerade darauf aufmerksam gemacht wie wichtig es zur Zeit ist, Wasser für Vögel und andere Kleintiere im Garten und auf dem Balkon bereit zu stellen. Durch die lang anhaltende Trockenheit wird es für die Tiere schwierig, genügend Wasser zu finden. Die Wasserstellen sind ausgetrocknet. Viele Tiere verdursten. Ich habe gerade einen Behälter mit Wasser auf den Balkon für die Vögel und einen für Igel und andere Kleintiere in den Garten gestellt und hoffe, dass die Tiere es finden, um nicht zu verdursten.

Tour de Natur

Eben ist mir beim Aufräumen ein Flyer der in Kürze stattfinden Tour de Natur in die Hände geflattert und da ich Veranstaltungen solcher Art von Grund auf schön finde, möchte ich meine lieben Leser*innen darüber informieren. Es handelt sich bei der Tour de Natur um eine 15-tägige Fahrradtour mit etwa 100 – 150 Menschen, die am Samstag, den 21. Juli 2018 in Kassel beginnt, über Witzenhausen, Göttingen und Halle (Salle) geht und in Leipzig am Sonntag, den 5. August 2018 endet.

Bei ihr wird in einem Tempo, bei dem alle mitkommen gemeinsam durchs Land geradelt, zusammen durch Demos mit Musik, Tanz und Straßentheater Politik gemacht, für Alternativen des heutigen Wirtschaftssystems die Augen geöffnet und Biohöfe, Wohnprojekte und andere spannende Initiativen besucht. Das Mitradeln kostet pro Tag für Organisation und Übernachtung 5 – 10 Euro nach Selbsteinschätzung und für Wenigverdienende nur 50 Cent, für biologische und vegane Vollverpflegung plus 10 – 15 Euro – nach Selbsteinschätzung – pro Tag.

Infos gibt es unter Tour de Natur im Internet und per Telefon unter 0351 – 49 433 54. Die Partner der Veranstaltung sind der adfc Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club, der VCD, der BUND, die Grüne Liga Netzwerk ökologischer Bewegungen und Pro Pödelwitz.

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