Was war 2017?

Wonder Women

Die ersten drei Monate des Jahres war ich in Tschechien in der Gemeinschaft, in der ich seit Jahren versuchte, Aufnahme zu finden. Aber wie immer passierte eines Tages etwas, was mich total heraushaute. So landete ich wieder zurück in der Welt. Erstmal ging ich Freunde besuchen, um mich von dem Schock, es mir wieder einmal verpatzt zu haben, zu erholen.

Dann besuchte ich nach fünf Jahren auch wieder einmal meine Mutter. Es war diesmal sehr nett und ich durfte das Haus für eine Woche hüten, während sie nach Amerika reiste. In der Woche bekam es mir ganz gut, alleine zu sein und so rang ich mich durch, mir etwas zum Wohnen zu suchen. Ich sah mir zwei Möglichkeiten an. Das eine wäre eine Einliegerwohnung nicht weit von meiner ursprünglichen Heimat entfernt, das zweite war ein Zimmer in einer WG in der Stadt, in der meine damals 103 Jahre alte Großmutter lebte. Da der Vermieter der Einliegerwohnung mir absagte und die Vermieterin der WG mir zusagte, machte ich einen Mitvertrag mit ihr. Es war für mich ein äußerst seltsames Gefühl, einen Mietvertrag zu unterschreiben, nachdem ich jahrelang kostenlos eingeladen war. Es war dann auch alles irgendwie nicht so wie ich es gewohnt war. So durfte ich nicht zwei Tage vorher rein, weil sie noch saubermachen wollte, so dass ich mir wieder wie gehabt eine andere Lösung suchen musste. Und am Tag an dem ich einziehen sollte, war ich dann noch bei einem Freund. Am nächsten Tag, als ich zur WG hinfuhr, hatte ich in einer entfernten Stadt etwas zu erledigen. So hielt ich mich maximal eine halbe Stunde in meinem neuen Zimmer auf und fuhr dann in besagte Stadt, wo ich ein Dokument abholte. Doch während der Fahrt als auch in dem Moment, in dem ich das Dokument in die Hand bekam, fühlte ich einen großen Druck am rechten Auge. Etwas, was ich so nicht gekannt habe und was mir äußerste Sorgen bereitete. Ich musste an das Sprichwort, dass etwas ins Auge geht denken.

Ich wusste nicht mehr weiter. Ich ging zum Bahnhof in besagter Stadt und fragte mich, was tun. Mein Blick fiel auf ein T-Shirt mit der Aufschrift „London Paris New York“. Und neben mir standen auf dem Boden Worte auf französisch Ich überlegte nicht lange, sondern setzte mich in den nächsten Zug in Richtung Frankreich. Und ich hatte Glück, denn ich kam mit zwei Zügen und recht wenig Geld nach Paris. Von dort reiste ich weiter bis ins Baskenland wo ich den Jakobsweg startete, den ich drei Wochen lang ging (ich habe darüber berichtet).

Auf dem Weg zurück hätte ich in einen Bus nach Paris einsteigen können, aber es kam anders. Eine Frau wollte mich einladen, auf dem Ticket ihrer Tochter kostenlos mitzufahren, das sie schon bezahlt hatte, weil ihre Tochter nicht mitfahren konnte. Der Fahrer jedoch willigte nicht ein, sondern wollte von mir den normalen Preis fürs Mitfahren haben. Der Preis schreckte mich ab und so kam es, dass ich statt in mein angemietetes Zimmer wirklich einzog, herumzog wie gehabt.Ich entdeckte dann Orte, versuchte immer wieder mal trotz großem Verbot eine der Gemeinschaften in Frankreich oder Spanien zu besuchen, aber es gab kein Pardon: ich hatte ein Jahr Sperre zu überbrücken. Doch da ich irgendwie nicht verstanden hatte, was eigentlich passiert war, zog es mich dort wieder und wieder hin, um mir eine immer deutlichere Abfuhr erteilen zu lassen.

Sogar nach Tschechien fuhr ich wieder, diesmal mit dem Bus. Von meiner Mutter hatte ich Geld geschenkt bekommen und es diesmal auch angenommen. Danach führte mich mein Weg in die Schweiz, wo ich bei einem Menschen zu Besuch war, den ich aus dem Internet kannte und schon einmal besucht hatte. Er nahm mich ganz lieb auf. Als ich die Botschaft vom Tod meiner Großmutter empfangen hatte, versuchte ich noch am gleichen Tag zu meiner Mutter nach Deutschland zu fahren. Doch kaum war ich in den Zug in Deutschland eingestiegen, überkam mich ein Gefühl, als würde mir all meine Lebensfreude geraubt. Ich fühlte mich genau so wie in „Tim Taler und das gestohlene Lachen“ . Es war schrecklich. Kurz darauf bekam ich Atemnot und ein Gefühl der Enge um die Brust. Ich meinte, ich würde sterben. Da stieg ich lieber aus und fuhr zurück in die Schweiz.

Ich unternahm dann noch zwei weitere Versuche, nach Deutschland zu fahren, wurde jedoch jedes Mal gehindert. Einmal traf ich einen Menschen ohne Zuhause mit seinem Fahrrad auf dem Weg zur Grenze. Er habe dort an der Brücke übernachtet und wollte ursprünglich auch nach Deutschland, aber er hatte entschieden, es zu lassen. Denn seine Mutter hatte ihn angezeigt und wenn er nach Deutschland führe, würde er wahrscheinlich verhaftet. Er lebte viele Jahre lang in meiner Heimatstadt, wo er verheiratet gewesen war. Und auch sonst gab es viele Parallelen zu meinem Leben. Er wollte mich dann mitnehmen in seine Höhle, in der er gewöhnlich in einem Grenzort übernachtete. Doch ich wollte wenn, dann lieber zu dem Freund zurück, bei dem ich gerade gewesen war.

Bei einem dritten Versuch landete ich mit dem Bus immerhin in einer Grenzstadt in Deutschland. Dort traf ich auf dem Busbahnhof einen Afrikaner aus dem Kongo, der in Rom lebte und falsch ausgestiegen war, da er kein deutsch sprach. Als ich ihm die Stadt zeigen wollte, hing dort ein Plakat mit der Aufschrift „Nachts kommen die Mörder“. Es brachte mich dazu, mich mitsamt dem Menschen aus dem Kongo in der Schweiz in Sicherheit zu bringen, indem ich mit ihm in die nächste S-Bahn einstieg. Wir verbrachten die Nacht zusammen mit einem weiteren Gesellen, der seinen letzten Zug verpasst hatten vor dem Bahnhof und legten uns auf einem Betonblock. Am Morgen suchten wir eine Verbindung mit dem Bus nach Rom, aber ich konnte ihm irgendwann gar nicht mehr helfen. Es war alles zu kompliziert. Da setzten wir uns an ein paar Bänke im Bahnhof neben eine Frau, die wie er italienisch sprach und uns erzählte, sie führe mit dem nächsten Zug nach Mailand. Wunderbar, die Rettung! Er kaufte sich ein Ticket und ich begleitete ihn noch bis zum Zug.

Am Ende fuhr ich dann selbst wieder nach Frankreich, das ja lange genug meine Wahlheimat gewesen war. Ich besuchte die Dame, bei der ich mein Zeug vor mehr als drei Jahren untergestellt hatte, als ich meinen Wagen aufgab. Damals hatte ich angenommen, dass ich bei der Gemeinschaft bleiben würde, was dann doch nicht der Fall gewesen war. Sie hatte mittlerweile alles verschenkt bis auf meine selbstgeschriebenen Bücher, die immerhin mindestens eineinhalb Regalmeter füllten. Ich war nicht begeistert, hatte aber erwartet, dass gar nichts mehr da war. Also war ich dankbar wenigstens noch meine selbstgeschriebenen Bücher vorzufinden. Sie wollte eigentlich noch mit mir reden, aber mich zog es einfach wieder weg, zurück ins Baskenland. Diesmal langsam. Ich trampte ein wenig und lief dann fast täglich noch ein Stück des Jakobswegs entlang, den ich vor vielen Jahren mal mit dem Fahrrad gefahren war.

Die ganze Zeit lernte ich liebe nette Menschen kennen, die mich zu sich einluden, vor allem alleinstehende Frauen mit ihren Kindern, die sich von den Vätern getrennt hatten. Bei einer gab es einen Swimmingpool, in dem ich baden und ein Tipi, in dem ich übernachten durfte, bei den nächsten ein Meditationszentrum, in dem ich etwas mithelfen durfte, bei den dritten Esel und und und. Ich war glücklich. Und bei allen wurde ich ganz freundlich aufgenommen.

Eigentlich wollte ich die ganze Zeit nach Portugal, aber irgendwie kam es nie dazu, weil ich es nicht schaffte, mich aus dem Bannkreis der Gemeinschaft komplett zu entfernen. Und als ich mal in einem Bus saß, der eigentlich nach Portugal fuhr, stieg ich abrupt in der Stadt in Spanien aus, bis zu der ich auf dem Jakobsweg gelaufen war und sagte mir „ich kann nicht mehr!“. Ich wollte und konnte nicht mehr so herumreisen. Es ging nicht mehr.

Ich begab mich in einen Telefonladen wo ein Zettel mit dem Angebot eines Zimmers in einer WG hing. Ich rief an. Es war keine fünf Minuten entfernt. Ich nahm es. Und blieb zwei Wochen. Statt nur einer halben Stunden wie in meinem ersten Zimmer immerhin schon zwei Wochen. Das erste Zimmer in Deutschland hatte ich inzwischen schweren Herzens wegen Nichtbenutzung wieder gekündigt. Es war mein erster Versuch gewesen, wieder in Deutschland Fuß zu fassen. Aber an der doch recht teuren Miete für ein Zimmer, der Tatsache, dass ich dann krankenversicherungspflichtig geworden wäre und nochmal 175 Euro hätte zahlen müssen als Mensch ohne Einkommen, also fast 500 Euro, nur um legal in Deutschland zu sein, hatte mich abgeschreckt. Vor allem, weil ich gar nicht so genau wusste, ob ich das überhaupt wollte. Frankreich mit seiner kostenlosen Krankenversicherung für Menschen wie mich, war da einfach wesentlich attraktiver. Noch dazu, wenn mich keiner dazu zwingt, sie zu benutzen und ich auf der anderen Seite die Sicherheit habe, dass ich sie beantragen kann, wenn ich sie brauche. Das kommt meiner Lebenseinstellung einfach erheblich entgegen.

Es dauerte aber nicht lange an meinem neuen Lebensort, da bekam ich wieder einen Rappel und unternahm einen Versuch, nach Tschechien zu fahren. Ich kam in Frankreich bis zu einem Ort unweit der deutsch-schweizerischen Grenze. Ab da wollte ich nicht weiter. Auf dem Bahnhof lernte ich zwei nette Menschen kennen, von denen mich einer zu sich einlud. Er lebte von seiner Frau getrennt, bei der wir anlässlich eines Feiertages zum Essen gingen. Die Kinder waren auch da und wir hatten eine gute Zeit mit Stadtrundgang, Einladung zum Kaffee und allem drum und dran. Er half mir die nächsten Tage, an seinem Computer meine 4000 Fotos von meinem Tablet runterzuladen, die sich die letzten Jahre angesammelt hatten. Die Frucht davon war dann auf meinem Blog durch erstmalige Einträge mit Fotos zu bewundern. Ein großes Dankeschön an meinen Helfer!

Ich fuhr dann wieder zurück, um es später noch einmal mit einer Fahrt nach Tschechien zu versuchen, weil ich dort etwas zu erledigen hatte. Diesmal lud mich eine Frau zu sich ein, die neben mir im Bus saß. Von ihr lernte ich unglaublich viel. Ich erzählte ihr von meinen Ängsten und sie erzählte mir ihre Geschichte wie sie als Kind Angst vor Wasser bekommen hatte. Und dass sie ihr Leben dann damit zubrachte, diese Angst zu überwinden. Ihre Tochter studierte Meeresbiologie und gab ihr dazu allen Anlass.

„Ich habe mich ganz konkret mit meinen Ängsten konfrontiert, um sie dann zu überwinden. Ich habe einen Tauchkurs gemacht und jedes mal Blut und Wasser geschwitzt, wenn ich ins Wasser gehen sollte. Aber ich habe meine Ängste besiegt.“

Sie war auch in der Flüchtlingshilfe aktiv. Bot mir wie zwei andere Menschen in Frankreich an, mich bei ihr anzumelden. „Wir müssen unsere Feinde kennen, um uns zu wehren und um sie zu besiegen.“

Von ihr aus nahm ich einen Flieger nach Tschechien nachdem ich über zehn Jahre nicht mehr geflogen war. Die Busreisen machten mich einfach müde. Es war das reinste Abenteuer. In Tschechiens Hauptstadt lernte ich dann auch wieder Leute kennen, die mich zu sich einluden, aber erstmal war ich ein paar Tage im Hostel. Nach langer langer Zeit mal wieder. Dann fuhr ich nochmals bei der Gemeinschaft vorbei, wo ich wieder weggeschickt wurde, aber endlich endlich eine Erklärung bekam warum. Und das gab mir Frieden.

Einen Moment verbrachte ich in einem der Kurorte nicht weit von der Grenze entfernt. Ich sah dort Menschen als Ehepaare und in Familien um mich herum sitzen, stehen und laufen.Ich sah plötzlich, dass es eigentlich nicht normal war, alleine zu sein. Und dann in einem Schaufenster den Satz „it’s always better, when we’re together.“

Es war der 22. September. Am 23. September sollte ja wieder mal die Welt untergehen. Nicht dass ich wirklich daran geglaubt hätte, da für mich all diese Aussagen irgendwelcher Daten von Dämonen her stammen. Aber ich dachte bei mir „Wenn jetzt die Welt unter geht, wo möchte ich dann sein?“ Und ich wollte nicht mehr alleine an irgendeinem Ort der Welt sein. Ich wollte bei meinen Freunden sein. Ich wollte an dem Ort sein, wo ich die meisten Freunde hatte. Und so setzte ich mich in den nächsten Zug und fuhr dorthin.

Und wurde herzlich begrüßt, als ich gerade zum Konzert in den freien Raum kam, in dem ich in der Regel viele meiner Freunde treffe. Und bei meiner Freundin, bei der ich meistens bin. Und und und. Ich blieb. Ich blieb, auch wenn es schwer wurde. Auch wenn ich eigentlich wieder wegwollte, weil ich es so gewöhnt bin wegzugehen, wenn der Schmerz zu groß wird. Aber ich habe ja gesehen, dass es zu nichts führt im Endeffekt außer zu einer Reihe von unendlich großen Glücksmomenten.

Dann ging ich auf die Krankenkasse und hörte, dass sie dort 9000 Euro von mir wollen, falls ich mich wieder versichern „will“, weil ich die letzten Jahre nicht versichert war. Nachzahlung für vier Jahre, obwohl ich in Frankreich das Recht auf eine kostenlose Krankenversicherung hatte und dieses freiwillig nicht geltend gemacht habe.

Ich sage mal: wer mich unterstützen möchte, dass ich weiterhin als freier Mensch egal wo auf der Welt (und somit auch in Deutschland) leben kann, ist herzlich willkommen, mir eine Spende zukommen zu lassen. Soweit bin ich inzwischen gekommen. Ich mache ein wenig tabula rasa und sehe, das Leben so wie ich es führe ist auf Dauer nicht tragfähig. Es ist ein Zuschussbetrieb, den ich mir so in dieser Form ohne Einnahmen zu generieren nicht mehr so recht leisten kann, denn auch wenn ich mit möglichst wenig Geld gelebt habe, irgendwas gab ich doch aus. Und: ohne Wohnung zu leben ist auch nicht mehr mein Lebensziel oder Sinn und Zweck.

So habe ich die letzten Monate damit verbracht, mich über die örtlichen Hilfsorganisationen zu informieren, die einem zumindest theoretisch helfen wollen, ohne jedoch wirklich einen Schritt weitergekommen zu sein, da man bei ihnen ja nur von einer Stelle zur anderen geschickt wird. Und irgendwie will ich das ja auch nicht so recht.

Deswegen sage auch ich jetzt nach neun Jahren ohne Einkommen und finanzielle Unterstützung: Spenden sind schließ- und endlich auch bei mir willkommen. Schreibt mich dazu einfach an. Soweit einen Spendenbutton zu produzieren, bin ich noch nicht gekommen. Es sei Euch gedankt.

Und nun wünsche ich Euch allen ein gesegnetes, friedvolles Neues Jahr! Mögen all Eure Wünsche in Erfüllung gehen…

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Nächste Verlosung für ein bedingungsloses Grundeinkommen

Am Mittwoch, den 13. Dezember um 17:00 Uhr werden das letzte Mal in diesem Jahr in Deutschland acht Grundeinkommen verlost. Auf www.mein-grundeinkommen.de könnt Ihr Euch noch anmelden und Eure Teilnahme bis eine halbe Stunde vor Verlosungsbeginn bestätigen.
Übrigens wurden jetzt am 6. Dezember in Paris erstmalig auch in Frankreich Grundeinkommen nach dem Crowdfunding- und Verlosungsmodell verlost, was mich sehr freut und in den News der oben genannten Website nachzulesen ist. Nach Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich ist Frankreich jetzt das fünfte Land in Europa, in dem Menschen Bedingungsloses Grundeinkommen in dieser Form ausprobieren.Und es gibt auch auf politischer Ebene Gedanken, dies in Pilotprojekten an manchen Orten einzuführen, um vielleicht einmal das ganze Land damit zu beglücken. Da Frankreich ein sehr soziales Land ist kann ich mir eine solche Verwirklichung auch gut vorstellen. Für mich wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen trotz meiner Erfahrung, dass man am glücklichsten ohne Geld lebt, doch noch das Beste auf dem Weg zu einer Welt ohne Geld. Einfach, weil es für den Übergang sinnvoll wäre, um vom einen System auf ein anderes umzustellen.

Noch mehr zu Robert Franz

Da mein erster Beitrag über Robert Franz zu den am meisten angeklickten Beiträge der letzten Zeit gehört, möchte ich hier einen Folgebeitrag posten. Ich war nämlich vor einiger Zeit auf einer Veranstaltung mit Robert Franz, wo er in seinem etwa eineinhalbstündigen Vortrag mit seinem lila Lockenschopf und passendem violetten Langarm-T-Shirt barfuß sein Publikum begeisterte. Zunächst einmal war das Ganze auf Spendenbasis, was ich als äußerst sympathisch empfand. Es fand in einem Lokal statt, in dem man etwas zu abend Essen und etwas Trinken konnte. Die 200 Plätze waren schon im voraus ausgebucht und viele Menschen kamen von weiter her, um ihn live zu erleben.

Robert Franz möchte die Menschen wieder zur Natur zurückführen. Er geht davon aus, dass viele, wenn nicht die meisten gesundheitlichen Probleme  Mangelerkrankungen sind. So sind für ihn auch Arthrose, Schlaganfall, Depressionen, Hauterkrankungen und Schilddrüsenunterfunktion auf Sonnenmangel zurückzuführen. Die Sonne aktiviere unser ganzes System. Sie bringe gesunde Haut und  Knochen als auch einen gesunden Darm. Er empfiehlt daher, Vitamin D 3 zu sich zu nehmen.

Interessanterweise war am selben Morgen, an dem ich zum vortrag ging eine Bekannte von mir zu Besuch, die mir erzählte, dass er normalerseise empfielt, die ersten zehn Tage 40.000 Einheiten D 3 seines Produkts zu sich zu nehmen, was 40 Tropfen entspricht und danach 10 Tropfen täglich. Nimmt man dazu das Vitamin K 2 (fünf bis zehn Tropfen), kann das Kalzium in die Knochen aufgenommen werden wie sie mir erklärte. Magnesium ist darüberhinaus ebenfalls sehr zu empfehlen. Aber zurück zur Veranstaltung.

„Bei Depressionen sind Sie nach einer Woche in der Sonne gesund.“ So empfiehlt Robert, bei Depressionen am besten in die Karibik zu fliegen.

80% der Deutschen hätten einen Vitamin B 12-Mangel. Dieser könne ihm nach auch zu Schizophrenie, Depressionen, Gleichgewichtsstörungen und Demenz führen. Führe man sich Vitamin B 12 zu, nähme auch die Reizbarkeit ab.

Bei Schmerzen empfhielt er Schwefel; sein Produkt MSM bei Arthrose und Gelenkschmerzen, da es knorpelaufbauend und schmerzlindernd wirkt.

„Jeder ist selbst für seine Gesundheit zuständig“, sagt er und weist damit auf die Selbstveranwortung jedes einzelnen hin. „Lebt den jetzigen Moment. Jeder Moment ist wichtig.“

Psychopharmaka solle man langsam absetzen. Immer etwas weniger nehmen.

Auch Vitamin C sei gut zu nehmen, Q 10 drei Mal pro Monat und OPC (Traubenkernextrakt) wirke antioxidativ und entzündungshemmend und sei für Leber und Nieren gut.

„Sobald wir unsere Gesundheit im Griff haben, haben wir unser Leben im Griff“ ist seine abschließende Botschaft – bevor er dazu übergeht, jede einzelne Frage aus dem Publikum zu beantworten.

Zu den Produkten gibt es Faltblätter und Bücher  sowohl von robert Franz persönlich als auch von anderen Autoren, die seine Theorien zum Teil bestätigen. Mehr Infos unter http://www.dogenesis.de, http://www.robert-franz-gesundheit.tv und http://www.alpenparlament.tv.

Natürlich sind Nahrungsergänzungsmittel kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und sie ersetzen auch nicht den Besuch eines Arztes. Und Heilaussagen werden grundsätzlich auch keine gemacht.

Meinen ersten Artikel über Robert Franz findet Ihr hier.

 

Was können wir zur Abfallvermeidung tun?

Zur Europäischen Woche der Abfallmeidung, die vom 18. – 26. November 2017 stattfand haben wir, eine Gruppe von Menschen uns nach einer Veranstaltung zum Thema Gedanken gemacht, was wir insbesondere gegen Plastikmüll tun können.

Hier ist das Resultat:

auf höherer Ebene

  • ein Pfandsystem einführen, das den gesamten Plastikmüll dem Recycling zuführt, ähnlich dem für Flaschen derzeit
  • einen Kilopreis einführen, zu dem Plastik zurückgenommen wird, ähnlich wie es früher bei Papier war und es heute bei Metall noch ist
  • Plastik wirklich recyceln, denn der Plastikmüll im gelben Sack scheint zum Teil derzeit in den Müllverbrennungsanlagen verfeuert zu werden

jeder einzelne kann zum Beispiel

  • weniger konsumieren/kaufen
  • Stofftüten statt Plastiktüten verwenden
  • Glasbehälter statt Plastikbehälter benutzen, wie auch Glasflaschen statt Plastikflaschen
  • im Unverpackt-Laden einkaufen
  • erst aufbrauchen, was man daheim hat
  • angebrochene Sachen auch zum Gefrieren in Steingut oder Gläsern statt in Plastikbehältern aufbewahren

Die Liste ist nicht vollständig und kann von Euch ergänzt werden, indem Ihr in Euren Kommentaren Ideen einbringt, die ich dann hinzufüge 🙂

 

 

 

 

 

Mein Grundeinkommen

Für alle, die von einem Grundeinkommen träumen, gibt es jetzt wieder die Möglichkeit, sich für das nächste Gewinnspiel anzumelden und zwar auf www.mein-grundeinkommen.de. Dort werden am 15. November 2017 die nächsten Grundeinkommen verlost. 102 Menschen haben bisher ein Jahr lang ein Grundeinkommen gewonnen. Die Sache funktioniert so, dass per Crowdfunding Geld für Bedingungslose Grundeinkommen gesammelt wird und immer wenn 12.000 € zusammen sind, werden sie an einem besonderen Tag an verschiedene Personen verlost. Man kann also auch spenden, wenn man Geld übrig hat, um damit für andere ein Grundeinkommen zu generieren. Letztes Mal wurde man im Zweier-Team ausgelost, diesmal wieder allein. Also das als Einladung für alle, die einmal frei nach Schnauze all das machen möchten, was ihnen auf dem Herzen ist ohne dabei an Geld für ihr Auskommen denken zu müssen.

Über Heidemarie Schwermer – ein kleiner persönlicher Nachruf

Als ich gerade eben nachschauen wollte, bei welchem Verlag Heidemarie Schwermer eigentlich ihre Bücher über ihr geldloses Leben veröffentlicht hat, erreichte mich doch sehr überraschend die Nachricht von ihrem Ableben am 23. März letzten Jahres nach einer Krankheit. Erstaunlicherweise habe ich nichts davon mitbekommen. Aber ich möchte die Gelegenheit nutzen wenigstens das meiner Umwelt mitzuteilen, was mich mit ihr verbunden hat.

Zunächst einmal hat sie mich sehr beeinflußt dadurch, dass sie ohne Geld gelebt hat, denn ich hatte ihr erstes Buch „Das Sterntaler-Experiment: Mein Leben ohne Geld“ gelesen, weil ich selbst den Traum hatte, ohne Geld zu leben und sie war quasi so eine Art Vorbild für mich. Das Buch gefiel mir gut, wenn auch ich mir gewünscht hätte, mehr aus ihrem praktischen Leben ohne Geld zu erfahren. Nach dem Motto „Wie sieht das tägliche Leben aus, wenn man so lebt?“

Einmal habe ich Heidemarie in Freiburg bei einer Veranstaltung vom dortigen Tauschring live erlebt und auch das hat mich gestärkt in meinem Wunsch, einmal wenigstens eine zeitlang ohne Geld zu leben. Und es hat mir Mut gemacht und die Hoffnung wie fast schon die Gewissheit gegeben, dass auch mir dies eines Tages gelingen wird. Und es ist mir gelungen. Es ist einfach passiert. Es hat sich einfach verwirklicht so etwa fünf Jahre nachdem ich wirklich den großen Traum hatte, ohne Geld zu leben. Das war 2009. Das heisst, schon zwei Monate vorher begann ich, nichts mehr an Lebensmitteln zu kaufen, weil ich am Voreigehen an einem Laden feststellte, dass die Mülltonnen der Supermärkte voll sind und genug darin ist, um mich davon zu ernähren. Im Grunde hatte ich schon früher angefangen zu containern, aber mehr aus Spaß, nicht aus der Notwendigkeit heraus, denn ich bekam damals noch Geld. Als ich dann jedoch aus Deutschland weggegangen war und absehbar war, dass ich ab Januar 2009 kein Geld mehr bekommen würde, musste ich mir etwas anderes ausdenken. Und ich brauchte gar nicht groß zu denken, es passierte einfach alles so, dass ich erfuhr wo es kostenlos etwas zu essen gab (entweder bei Vereinen, die in Frankreich Menschen ohne Zuhause etwas zu essen geben, durch containern beim Supermarkt, Bäckereien etc. oder durch Auflesen von liegengelassenem Obst und Gemüse auf dem Markt). Und dass ich Klamotten fand und auch einen Schlafplatz, wenn ich danach suchte.

Da ich nicht all mein Geld verschenkt hatte wie Heidemarie das getan hat, war meine Erfahrung eine andere, aber in vielem war es gleich: die große Freude darüber, ohne Geld zu leben, ja, ein unbeschreiblich großes Glücksgefühl, das einem dabei überkommt, dass man/frau einfach jedem wünscht, das möge allen Menschen zuteil werden. Ich kann ruhigen Gewissens und ohne den geringsten Zweifel bis heute sagen: es gibt kein größeres dauerhaftes Glücksgefühl, das ich in meinem Leben kennengelernt habe als das, ohne Geld zu leben. Das Glück ist einfach unbeschreiblich und zwar aus einem ganz einfachen Grund: es ist jeden Tag Weihnachten! Denn alles, was wir zum Leben brauchen bekommen wir – sozusagen aus dem nichts heraus – geschenkt. Es kommt einfach. Ist einfach plötzlich da. Ein Geschenk. Und das jeden Tag, den ganzen Tag lang kommt irgendetwas, das wir brauchen durch Gottes Fügung so sage ich einmal in unser Leben, zumindest wenn wir an ihn glauben. Das ist meine Erfahrung. Natürlich werden wir manchmal Schritte in die eine oder andere Richtung unternehmen wo wir wissen, dass dort etwas zu bekommen ist und wir werden uns gewisserweise um uns Kümmern und auch ein Stück weit für uns sorgen. Aber da ist eindeutig auch eine andere Macht und Kraft, die für uns sorgt, wenn wir ihr vertrauen. Mein Vagabundenblog, der damals bei myspace entstanden ist und den ich bis heute bei wordpress, wenn die letzten Jahre auch nur noch sporadisch fortführe zeugt davon, ja ist ein Zeugnis dafür, dass es einen Schöpfer gibt, der für uns sorgt. Dass es einen Schöpfer gibt, der uns liebt und uns versorgt, wenn wir in seiner Vorhersehung und im Glauben an ihn leben.

Das zweite Buch von Heidemarie Schwermer „Das Sterntalerexperiment II: Mein Weg nach innen“ habe ich mangels Zeit damals nicht ganz gelesen, als es mir jemand geliehen hat und es hat mich auch nicht so sehr beeindruckt wie das erste. Nachdem ich aus meinen Blogeinträgen aus der Zeit, in der ich das Jahr ohne Geld lebte dann ein e-book gemacht hatte, nahm ich Kontakt mit Heidemarie auf, denn ich hätte mich sehr gefreut, wenn sie mir ein Vorwort geschrieben hätte. Leider lehnte sie es ab, mein E-book auch nur zu lesen, weil sie nicht so viel am Computer arbeiten würde, was ich wirklich schade fand, denn für mich war sie so eine Art von Kollegin. Nicht nur, dass ich ein Jahr lang ohne Geld gelebt hatte wie sie es schon seit vielen Jahren tat, sondern auch, weil ich darüber geschrieben hatte und so war sie für mich eine Art Schriftstellerkollegin und ich dachte, wir müssten uns doch gegenseitig unterstützen, aber sie sah das scheinbar anders. Ich fand das äußerst schade, denn ich schätzte sie sehr und so fristete mein e-book, dem ich den Titel „Vom Leben ohne Geld: Der Vagabundenblog“ gab und das ich dann bei scribd.com veröffentlichte – wahrscheinlich zu recht – bis dato ein Undercover-Dasein. Aber: Heidemarie Schwermer hat mich mit ihrer Lebensweise bleibend beeindruckt und inspiriert, es ihr – wenn auch nur für einen begrenzten Zeitpunkt – gleichzutun. Ohne sie wäre die geldlose Welt eine andere. Und jetzt fehlt nur noch eins: eine Zukunft des Planeten ohne Geld, damit alle Menschen in den Genuss kommen und dieses große Glück dauerhaft kennenlernen dürfen. Das würde ich der Erde und all seinen Bewohnern in naher Zukunft wünschen. Und Heidemarie Schwermer hat uns allen den Weg dahin geebnet, das Vertrauen zu haben, dass solch ein Leben möglich ist. Nicht nur für sie und ein paar wenige andere Leute allein, sondern für alle Menschen. Auf französisch würde ich sie „la grande dame de la vie sans argent“ nennen, zu deutsch (es etwas weniger poetisch) „die große Dame des Lebens ohne Geld“.

 

You’ll never walk alone

Auf dem Weg stand in einem Tunnel „You’ll never Walk alone“. Es regnete dann stark am nächsten Morgen, so dass ich erstmal langsam machte. Ein Kanadier kam als Letzter aus der Tür der Herberge und meinte, er wolle erst einmal einen Kaffee trinken gehen. Ich begleitete ihn und half ihm mit ein paar Plastiktüten aus, denn er hatte nicht einmal einen Regenschutz für seinen Rucksack. Er war gerade einmal vier Tage unterwegs und hatte nicht mehr sehr viel Geld.
„In Kanada habe ich alles verbockt. Ich habe das Gefühl, mein Leben ist zuende.“
„Dann ist der Jakobsweg genau das Richtige. Der kann Leben retten. Das war bei mir auch so.“ Es ging ihm dann besser und er lief dankbar weiter, während ich noch sitzen blieb und überlegte, was tun. Es kam dann ein Finne vorbei und erzählte, dass von drei Uhr nachmittags bis zum Abend das Wetter besser sein soll. Er würde auch noch warten. Ich erzählte ihm von der nächsten Herberge in etwa acht Kilometern Entfernung und er mir von der Bibliothek. So ging ich dorthin und entdeckte ein äußerst interessantes Buch über die verschiedenen griechischen Göttinnen, von dem ich ein paar Seiten las. Demnach trägt jede Frau eine oder mehrere Göttinnen in sich…

Ich unterhielt mich am Abend in der nächsten Pilgerherberge in einem Kloster nach dem gemeinsamen Abendessen noch ziemlich lange mit einer stark behinderten Frau, die auf dem Rückweg nach Frankreich war. Sie war von ihr Zuhause in der Mitte von Frankreich bis Santiago gelaufen und zurück. Sie erzählte mir, dass sie Schwierigkeiten mit der Art der Deutschen hätte. „Ich will nicht, dass man mir sagt, was ich machen soll,“ meinte sie.

Ich blieb mit ihr am nächsten Morgen noch in der Herberge und wir machten alles sauber. Danach erzählte ich ihr, dass ich den Eindruck hatte, dass manches Geld, das ich geschenkt bekam, mir immer wieder Unheil brachte.
„Du kannst dich entscheiden, nicht mehr daran zu glauben. Auch das, was wir glauben, können wir aufgeben. Denn was wir glauben, prägt unsere Realität. Du kannst dich jetzt entscheiden, an das Positive anstatt an das Negative zu glauben. Ich lasse manchmal Geld, das meine Mutter mir schenkt, einfach irgendwo liegen. Oder ich wasche es mit Spülmittel. Man muss nur aufpassen, dass es nicht wegweht beim Trocknen. Das Geld kommt ja vom Staat und ist dreckig. Man muss es erstmal säubern. Die Leute wollen manchmal einen Zaun um einen bauen. Es geht aber darum, ihn aufzulösen.“
Interessanterweise hatte ich genau dieses Bild in einem Traum, den ich in der Nacht hatte, nämlich, dass bestimmte Menschen eine Mauer um mich bauen wollten. Ich konnte gar nicht gut schlafen. Nicht nur wegen des intensiven Gesprächs mit ihr, sondern auch wegen des Lichtes, das den Notausgang markierte. Ihre letzten Worte bevor wir uns trennte waren:
„Es geht auch darum, dass wir in unsere Kraft kommen. Dass unser Stern in uns zum Leuchten kommt. Darum geht es.“

Ich lief dann bis zur Herberge, von der sie mir erzählt hatte. Sie war erst seit einem Monat geöffnet und von alternativ aussehenden Menschen geführt. Wir waren nur zu dritt: eine Französin im Rentenalter, eine Baskin, die an einer weiterführenden Schule arbeitete und ich. Die Baskin lud mich zum Abendessen ein und wir hatten eine nette Runde zusammen.

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Als ich  am nächsten Tag loslief, lief gerade ein Pärchen vorüber, dann traf ich auf zwei junge Lettländerinnen. In Gernika blieb ich in der Jugendherberge, was ich ursprünglich gar nicht beabsichtigt hatte, aber so konnte ich erkunden, um was es bei dem berühmten gleichnamigen Gemälde von Picasso ging. Ich fragte kurzerhand im Touristoffice, was es damit auf sich hatte und die Dame erzählte mir, dass damals Franco Hitler und Mussolini eingeladen hatte, um ihm im Bürgerkrieg beim Kampf gegen die Republikaner zu helfen. In Gernika wurden sozusagen seit Jahrhunderten die Gesetze fürs Baskenland gemacht und es war damit Symbol für die Demokratie, das Hitler damals vernichtet hatte.


„Die Deutschen haben damals schon von einem weiteren Krieg gesprochen und haben ihre Waffen und ihr Kriegsmaterial sozusagen ausprobiert. Heute ist der Tag der Museen, da sind alle Museen kostenlos und das Baskenmuseum hat bis zwölf Uhr nachts geöffnet.“ Ich zog los und schaute mir zwei von den drei empfohlenen Plätzen an. Das Parlamentsgebäude mit der berühmten 2015 neu gepflanzten Eiche und das Baskenmuseum. In ihm traf ich drei Brasilianerinnen, denen ich vom Jakobsweg und von meinem Leben erzählte und auch, an was ich heute gedacht hatte: „Mich haben als Kind schon die Straßenkinder in der Welt angesprochen, die ich in einem Buch sah, das meine Eltern hatten. Ich hatte schon als Kind ein Herz für sie. Als ich nach Brasilien ging, da habe ich mich immer gewundert, dass die Brasilianer zum Großteil arm sind, aber dennoch glücklich, während wir Deutschen alles haben, was man sich nur vorstellen kann und nicht glücklich sind. Ich habe sozusagen das eine gegen das andere getauscht und bin nun glücklich ohne viel zu haben.“ Sie gaben mir zum Abschied alle ihre Telefonnummern und e-Mails und luden mich zu sich ein, falls ich mal wieder nach Brasilien komme. Eine von ihnen wohnte in Bilbao, war aber erst wieder ab Mittwoch dort zu erreichen. Als ich zurück in die Herberge kam, wurde ich von  Franzosen zum Abendessen eingeladen. Es wurde ein netter Abend.
Am Morgen wachte ich auf mit den Worten „passez fuego or run“ – „Brenne alles ab oder renne“. Ich stand auf, frühstückte rasch und verschwand. Nach circa fünf Kilometern kam eine Privatherberge mit einem zweiten Frühstück, wo viele wie auch ich Halt machten. Eine Deutsche saß bei mir am Tisch und regte sich auf, dass der Platz nicht in ihrem Reiseführer stand, obwohl er doch nur ein Jahr alt war.
Ich traf dann wieder die Franzosen vom vorherigen Abend und eine davon setzte sich in den Bus, der gerade an der Haltestelle stand, da ihr Fuß sie zu sehr schmerzte. Sie würde dann nach Hause fahren.
Im nächsten Ort saßen die beiden Franzosen vor der Herberge, die mich gestern zum Essen eingeladen hatten. Die Unterkünfte einen Ort weiter wären voll und so blieben sie hier. Ich wollte sowieso bleiben, hatte mir die Pilgerin im Kloster  letzthin von dieser Herberge erzählt. Ich redete viel mit den Leuten, vor allem auch lange mit dem Hospitaleiro. Bei einem Gang durch den Ort containerte ich Brot und Obst. Es lief mir unter anderem „be you“ über den Weg.

„No excuse“ kam mir auf einem Pulli entgegen, dann stand „Black Magic “ vor mir am Bahnübergang, an dem gerade die Schranken runtergingen, als ich ankam.

Was mir sonst noch über den Weg lief war: „Dime que si“ – „sag ja“, „be a voice not an echo“- „sei eine Stimme und kein Echo“, „shoes speak louder than words“ – „Schuhe sprechen lauter wie Worte“, „live free,  die young“ – „lebe frei, sterbe jung“, „desobedece“ – „sei ungehorsam“, „stay original and true“ – „bleibe originell und wahr“, „Peace“ – „Frieden“, „work on it“ – „arbeite daran“.

Dann sah ich ein ganz finsteres und furchteinflößendes Plakat.
Ich sprach, als ich mich einen Moment auf einer Bank ausruhte, mit einem Achtzigjährigen, der mir erzählte, dass er nicht gläubig sei. „Mein Vater war sehr katholisch gewesen und ihn hatten sie zur Zeit Frankos eingezogen und als Soldat im Bürgerkrieg eingesetzt. Meine Mutter war nicht religiös und ich bin es auch nicht. Hast du Angst, in die Hölle zu kommen?“ fragte er und danach „Bist du gläubig?““Eigentlich schon“. Er sprach weiter: “ Es gibt so viele Götter.“ Er zählte einige auf. Als ich ihm sagte, ich wisse jetzt gerade gar nicht genau, was tun, da sagte er: „Du bist im Zweifel! Das ist ganz schlecht. Das ist der Teufel, der einen im Zweifel sein lässt.“

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Ich schloss mich zwei jungen Engländern an, um weiter zu gehen. So in der Nähe einer Großstadt war mir das sicherer, zumal ich am Vortag einmal alleine im Wald war und drei männliche Fahrradfahrer gekommen waren. Es war nichts passiert, aber mir war doch etwas unheimlich gewesen. Außerdem lagen überall in den Pilgerherbergen Flyer  herum, was man tun solle im Falle eines Problems…
In Bilbao angekommen, gab es Plakate mit „El rey solo“ – „Der König allein“ und  überall an den Laternenmasten prangte „El circo de los Horrores“ – „Der Horrorzirkus“, außerdem „don’t run, fly“ – „renne nicht, fliege“und „öffne dich der Welt“.

Im Hostal hatte ich schlecht geschlafen. Ich merkte, der Jakobsweg war für mich hier zuende. Um sechs Uhr morgens machte ich mich fertig und ging. Stieg in den Bus zum Bahnhof. Löste schnell ein Ticket und sprang in den nächsten Zug, der fünf Minuten später abfuhr. Dann fuhr ich zum Teil durch die Orte, durch die ich gelaufen bin. Ich sah Menschen mit schwarzen T-Shirts und Feuer darauf.

Weitere Worte des Tages:
„De vuelta en tu casa“ – „Zurück in deinem Zuhause“, „compatible“ – „kompatibel“, „Move on“ – „geh weiter“, „madness“ – „Wahnsinn“, „small steps“ – „kleine Schritte“, „apaga la luz y Enceinde tu Ahorra“ – „mach das Licht aus und entzünde deines jetzt“, ein T-Shirt mit einem Dinosaurier und den Worten „all my friends are dead“ – „alle meine Freunde sind tot“, „dernières opportunités“ – „letzte Gelegenheiten“,  „Agissez sans attendre“ – „Handeln Sie ohne zu warten“.

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Leute, die anders sind machen das Leben lustiger. Magisches Herz damit du für immer glücklich bist.